Das Mädchen am Ufer

C. Schröter

Die See war wild im Heulen;

Der Sturm erstöhnt mit Müh,

Da saß das Mädchen weinend,

Am harten Fels saß sie;

Weit über Meeres Brülen,

Warf Seufzer sie, und Blick;

Nicht konnts ihr Seufzer stillen

Der matt ihr kam zurük.

»Ein Jahr nun hin, und drüber!

Ein Jahr voll bitterm Weh!

O warum gingst du, Lieber,

Und trautest dich der See?

Hör auf, hör auf zu toben,

O Sturm, und göhn' ihm Ruh!

Hier in der Brust das toben,

Ach! wütet mehr als du.

Der Kaufmann schätze gierig,

Verzweifelnd flucht er dir;

Was ist verlieren Schätze,

Zu dem, was ich verlier'?

Und würfst du ihn auf Küsten

Von Geld und Demant schwer;

Ein' Reich're kann er finden,

Ein' Treu're nimmer mehr.«

So seufzend, weinend lag sie,

Erharrend ihn zu sehn.

In jeden Sturm floß Seufzen,

In jede Wog' eine Trän';

Als schnell auf weißen Wellen

Ein blaßer Leichnam schwamm,

Tod sank auf ihn das Mädchen,

Es war ihr Bräutigam.