An den Mond
C. Schröter
Schönes Licht, du eilst vorüber,
Säume deinen Wolken-Tanz!
Daß mein Auge länger spähe
Dich, im holden Silberglanz.
Daß ich meiner trüben Seele
Flehe Trost von dir herab; --
Bald nützt milden Thaues Balsam
Nimmer mir, im frühen Grab!
Sey mir Bild, und hohes Deuten
Meines Erde-Wallens hier;
Werd' ich jene Nebel-Hüllen
Auch durchgleiten -- ähnlich dir?
Werd' ich über Wolken wallen?
Nicht, wie Wolken, einst verwehn?
Soll ich Staub -- ein Staub der Erde,
Ewig mich, gleich Welten, drehn? --
Doch es bleibe unentfaltet
Jener Schleyer meinem Blick;
Möchte hier ein Strahl des Hoffens
Sanft entdämmern mein Geschick?
Wüßt' ich, Fanny, ob Dein Auge
Je mir holder lächeln wird? --
Jahre schon um Gegenliebe
Seufzend, meine Bitte girrt!
Sollen Thränen nie vertrocknen,
Milder Trost mir werden nie?
Soll der Leiden steter Kummer
Mich zu Grabe tragen früh?
Wohl! auch sterbend will ich lieben
Noch Dein unerbittlich Herz:
Eine Zähre, mitleidsvoller,
Weinst Du dann in stillem Schmerz.
Sprichst: "Hier ruht ein treuer Schatten,
Ach daß er noch mein gedenkt
Sonder Zürnen; da ich grausam
Ihn so lang -- so hart gekränkt!"
Bringst von Rosen und Cipressen
Dann der Sterbe-Kränze zwey:
Rosen, meine Liebe deutend,
Und Cipressen, Deine Reu.