Es war einmal ein Gärtner

D. Türk

Es war einmal ein Gärtner,

Der sang ein traurigs Lied.

Er that in seinem Garten

Der Blumen fleißig warten,

Und all sein Fleiß gerieth.

Er sang in trübem Muthe

Viel liebe Tage lang.

Von Thränen, die ihm flossen,

Ward manche Pflanz begossen.

Also der Gärtner sang!

"Das Leben ist mir traurig,

Und gibt mir keine Freud!

Hier schmacht' ich wie die Nelken,

Die in der Sonne welken,

In bangem Herzeleid,"

In bangem Herzeleid.

"Ey du, mein Gärtnermädchen,

Soll ich dich nimmer sehn?

Du must in dunkeln Mauren

Den schönen May vertrauren?

Must ohne mich vergehn,

Ach, ohne mich vergehn?"

"Es freut mich keine Blume,

Weil du die schönste bist.

Ach, dürft ich deiner warten,

Ich liesse meinen Garten,

Sogleich zu dieser Frist,

Sogleich zu dieser Frist!"

"Seh' ich die Blumen sterben,

Wünsch ich den Tod auch mir.

Sie sterben ohne Regen,

So sterb' ich deinetwegen.

Ach wär' ich doch bey dir!

Ach wär' ich doch bey dir!"

"Du liebes Gärtnermädchen:

Mein Leben welket ab.

Darf ich nicht bald dich küssen,

Und in den Arm dich schliessen,

So grab' ich mir ein Grab.

So grab' ich mir ein Grab."