An die Liebe
F. Oestreich
O wie fremd, wie räthselhaft
Meines Busens Flammen,
Wenn sie nicht von deiner Kraft,
Göttin Liebe, stammen!
Aber, Liebe, bist es du,
Welche Zaubereien? --
Welche Wunder, die im Nu
Altern und erneuen?
Herzerfreuerin! Woher
Seufzer, Thränenquellen?
Zahlenlos, wie Sand am Meer,
Leiden, Foltern, Höllen?
Qualenschöpferin! Woher
Scherze, Wonnen, Küsse?
Zahlenlos, wie Sand am Meer,
Himmelsvorgenüsse?
Will ich lieben, o warum
Doch am Borne lechzen?
Muß
ich lieben, so verstumm',
Hoffnungsloses Ächzen!
O der Qualentzückungen!
O der Wonneschmerzen!
So gebeut, o Liebe, denn
Ewig meinem Herzen!