Des Fischers Ständchen

F. Oestreich

Über klare Wellen gleitet

Sanft der kleine Kahn dahin,

Und des Mondes Schimmer leitet

Mich zur Herzensköniginn.

Schon erblick' ich dort die Hütte,

Wo mein feines Liebchen wohnt.

Das nach alter Deutscher Sitte

Mich mit treuer Liebe lohnt.

Mädel, horch, dein Vielgetreuer

Naht dem grünen Ufer sich.

Schau heraus! dein junger Freyer

Singt ein Abendlied für dich.

Loses Madel! laß dir sagen:

Heute heißt's noch Jungfer Braut;

Aber nach den Feyertagen

Hat der Priester uns getraut.

Junge Weiden überschatten

Meiner Hütte Binsendach;

Weiches Moos und Blumenmatten

Duften süß im Brautgemach.

Deine Liebe schafft hienieden

Schon die Erd' zum Himmel dann;

Immer glücklich und zufrieden

Leben wir als Weib und Mann.

Wenn der frühe Morgen winket,

Wecket dich mein Morgenkuß;

Wenn die Abendsonne sinket.

Schwebt mein Nachen über'n Fluß.

Wilde Rosen vom Gesträuche,

Weibchen! für dein blondes Haar,

Blaue Lilien aus dem Teiche

Bring' ich dir zur Gabe dar.

Manchen Korb von schlanken Binsen,

Die ich sorglich ausgesucht,

Gelblichgrüne Wasserlinsen

Für die kleine Aentenzucht...

Manche kleine Liebesgabe

Bring' ich, holdes Weib, dir dann.

Du bist meine ganze Habe,

Und dein Reichthum ist dein Mann.

Heute schläfst du noch alleine...

Wirf das Fensterchen nur zu!...

Aber bald, du liebe Kleine,

Wieg' ich dich in sanfte Ruh'!