Leichter Sinn
F. Oestreich
Wer nährt im Herzen frohen Mut,
der ist auch groß und reich.
Ein leichter Sinn, ein leichtes Blut
macht Menschen Göttern gleich.
Nicht Sorge zehrt die Stunden fort
und gibt dem Busen Harm,
führt doch kein Fleh'n, kein Zauberwort
das Glück in unser'n Arm.
In Dunkel hüllt die Zukunft sie
mit weiser Güte ein;
zu späh'n und forschen plagt's mich nie,
ich müsst' sonst töricht sein.
Und dünkt' ich mich wohl gar zu klug
durch Kunst und Gaukelei,
dem Wunsch zu g'nügen, der Betrug
ließ nie mich froh und frei.
Nur der vergang'nen Zeiten Lust
vergönnet sei ein Platz,
dass mein Gedächtnis in der Brust
nur häuf' der Freuden Schatz.
Verweht sei jede dunkle Spur
des Übels, das mich traf,
das Böse aber schlumm're nur
den ew'gen, ew'gen Todesschlaf.
Unwandelbar doch bleib' der Sinn,
den es in mir geweckt,
es anzuschau'n als Geistgewinn,
nur lass nichts ungeneckt.
Mein Element ist Gegenwart,
sie steig're meine Kunst,
und was ihr heil'ger Schoß bewahrt,
vergönnt mir ihre Gunst.
Nur fordert sie den Kennerblick,
das Gute zu erschau'n
und zu erkaufen Seelenglück
durch Güte und Vertrau'n.