Die Schreibfeder (Kalem)
H. Schmid
Hebe, Täubchen, deine grauen Flügel,
Zeig' mir deine weisse Feder, Taube! --
Aus des Oelbaumes silberfarbnem Laube
Flieg' gen Ost, nach Tschamlidja, zum Hügel,
Morgen, Täubchen, um die erste Stunde,
Um des Frühlichts Zeit, die rosenrothe,
Tauch deine Feder weiss, mein Bote,
In die tiefste Gluth der Himmelsrunde.
Hebe, Täubchen, deine grauen Schwingen:
Mit der weissen Feder, voll von Gluthen,
Schreib' dem Liebsten meines Herzens Bluten,
Eile, ach, ihm meinen Brief zu bringen!
Meinen Brief, auf Wolkenflor geschrieben,
Der zerfliessen wird in tausend Thränen,
Der versiegelt ist mit meinem Sehnen,
Der verbrennen muss an meinem Lieben!