Mir war das Herz so wund und krank
L. Norman
Mir war das Herz so wund und krank,
ich fühlte mich weh und beklommen,
da lenkt' ich zum Wald den einsamen Gang,
wo oft mir Ruhe gekommen.
Und sieh', es sprach der Eichenbaum:
Trübseliger Freund, gesunde!
Hoch strecke dein Haupt in den Himmelsraum,
stark greife Wurzeln im Grunde!
Die Birke meinte: Schau' an mein Laub,
es rauscht und zittert und flüstert;
dem lockenden Leichtsinn sei nicht taub,
dann stehst du nicht so umdüstert.
Die Weide sagte: In leisem Schmerz
verlebe ich meine Tage;
o tröst' dich an mir, du trauriges Herz,
mir dient zur Wonne die Klage!
Der Tannenbaum rauschte so tief und ernst:
Du darfst die Hoffnung nicht lassen!
Ich grüne stets! Frisch auf, dass du lernst,
das Leben frisch zu erfassen.
So sprachen die Treuen, mir aber war
das enge Herz erweitert.
Du alter Wald, wie wunderbar
hast du mir die Seele erheitert!