Der Hoffnungslose
A. Bungert
Ich schaute in den Nebel, die Seele ward mir bange.
Der Nebel sprach zu mir: Ich weine um die Sonne!
Wir saßen unterm Zelte.
Der keine Hoffnung hat, der kam
Und setzte unter uns sich nieder.
Da sagten wir: -- Hast du
Die Ebne wohl gesehen?
Und auch die Berge? --
Er sprach: -- Ich habe sie gesehen. --
Und zeigte seinen Mantel uns,
Und auch sein Hemde.
Zerrissen war das Hemd
An seines Herzens Stelle.
Durchstoßen war die Brust
An Stelle seines Herzens.
Das Herz, das war verschwunden.
Und er hat nicht gezittert,
Als hin wir schauten nach dem Herzen,
Das nicht da war.
Er ließ uns schauen.
Der keine Hoffnung hat, der lächelte,
Weil wir erbleichten,
Und sang uns Lieder.
Wir haben ihn beneidet, daß er singen konnte,
Wo er kein Herz mehr hatte, um zu leiden.
Zum Weggehn warf den Mantel er
Um seine Schultern,
Und die ihm nun begegnen, die können es nicht ahnen,
Daß ihm das Hemd durchlöchert an des Herzens Stelle,
Und daß die Brust durchstoßen an des Herzens Stelle,
Und daß sein Herz verschwunden.
Ich schaute in den Nebel, die Seele ward mir bange.
Der Nebel sprach zu mir:
Ich weine um die Sonne!