Mein Herzallerliebster
A. Bungert
Dort auf dem Weg, der zur Ebene geht,
Wo ganz im Grünen mein Hüttchen steht,
Wo das Aprilkorn grün und dicht --
Frisch träufelt das Wässerlein dort vorbei,
Der Weg ist so weiß und so schön und frei,
Mein Herzallerliebster betritt ihn nicht.
Dort, wo ich spinne vor meiner Thür,
Und Morgenwindsäuseln mich für und für
Mit Duft von den Rosen so süß umflicht,
Wo Abends ich leise singe mein Lied,
Ganz leise dem Wandrer, der weiterzieht,
Mein Herzallerliebster, der hört es nicht.
Dort, wo ich Sonntags hingeh' allein,
Zum alten Brunnen, mit weißem Stein,
Dort, wo der Gartenzaun sich bricht,
Zwischen Maasliebchen und Gras entspringt
Ein Wasser, das Jeden zur Liebe zwingt,
Mein Herzallerliebster, der trinkt das nicht.
Dort, wo an's Fensterlein jedesmal
Beim ersten erwachenden Sonnenstrahl,
Ich träumend lehne mein Angesicht,
Und auf ihn warte und weine sacht,
Vor Liebessehnen, das sterben macht --
Mein Herzallerliebster, der stirbt dran nicht.