Der junge Haiduck

A. Bungert

Ja, die Nacht, die kennt mein Lied,

Die hat es auch den Sternelein gesagt,

Und die Sterne haben es so schön gefunden,

Daß allnächtlich sie nun wiederkehren,

Um mein Lied von mir zu hören.

Siehst du auf der braunen Erde,

Wie das grüne Korn wächst?

Nein, du siehst es nimmer wachsen,

Aber dennoch wächst es.

So die Lieb' in jungen Herzen.

Auf den Lippen hatte der Haiducke

Seiner Liebsten Kuß.

Und es wollte gleich der Wind ihn rauben,

Fort ihn tragen mit den todten Blättern,

Und es sprach der Wind:

Gieb mir ihren Kuß; denn ich

Will ein Blümlein daraus machen.

Sprach die Nacht: Mir, mir gieb ihren Kuß,

Denn ich will ein Sternlein daraus machen.

Nein, so sagte der Haiducke,

Meiner Liebsten Kuß

Ist in mein Blut gedrungen,

Auf den Lippen will ich ihn bewahren,

Nimmer geb' ich ihn heraus.

Der Haiduck durchschweifte ganz die Erde

Mit dem Kusse;

Er durchwanderte die Dörfer,

Wo im Kreis die Mägdlein tanzen.

Unter Brücken sah er Flüsse fließen;

Unter Sonnenschein und Mondlicht flog er weiter,

Bis in eine weiße Au',

Weiß, als hätt' es Turteltaubenfedern

Dort geregnet.

Dort ist er der weißen Frau begegnet,

Die hat ihm der Liebsten Kuß genommen,

In den Gürtel ihn gesteckt, gleich einer Blume.

Da hat auf die Erde der Haiduck sich hingelegt,

Weil die weiße Frau in weißer Au'

Ihm genommen von den Lippen

Seiner Liebsten Kuß.

Ja, die Nacht, die kennt mein Lied,

Die hat es auch den Sternelein gesagt,

Und die Sterne haben es so schön gefunden,

Daß allnächtlich sie nun wiederkehren,

Um mein Lied von mir zu hören.