Der Soldat (Ich bin zufrieden)
A. Bungert
Ich hatt' eine Spindel von Haselholz;
Die Spindel, die fiel bei der Mühle in's Wasser,
Und nimmermehr brachte das Wasser sie wieder.
Es sprach der Soldat, da sterben er sollte:
Ich bin zufrieden;
Im Dorfe soll man's dem Mütterlein sagen,
Der Braut in der Hütte,
Daß beten sie sollen für mich
Mit gefalteten Händen.
Er ist todt, der Soldat, und die Braut und die Mutter,
Die beten für ihn mit gefalteten Händen.
Es ward auf dem Schlachtfeld sein Grab gegraben,
Und roth war vom Blute die Erde,
Darein man ihn legte.
Da sah ihn die Sonne und sprach:
Wie bin ich zufrieden!
Und Blumen erblühten ihm dicht auf dem Grabe
Und waren zufrieden, daß dort sie erblühten.
Und brauste der Wind durch die Bäume,
Dann frug der Soldat aus des Grabes Grund:
Hat die Fahne geflattert?
Dann sagte die Windsbraut:
Mit nichten, mein Held,
Du bist todt in der Schlacht, doch die Fahne blieb Sieger;
Kameraden von dir tragen froh sie von hinnen.
Dann sprach der Soldat aus des Grabes Grund:
Ich bin zufrieden.
Und weiter vernahm er das Wandern der Hirten, der Heerden,
Dann frug der Soldat: Ist's das Dröhnen der Schlacht?
Dann sprachen sie alle: Mit nichten, mein Held!
Du bist todt, und der Kampf ist vorüber,
Das Vaterland glücklich und frei!
Dann sprach der Soldat aus des Grabes Grund:
Ich bin zufrieden.
Dann hat er der Liebenden Lachen gehört,
Und es frug der Soldat:
Sind das Stimmen von denen, so meiner gedenken?
Die Liebenden sprachen: Mit nichten, mein Held,
Wir sind die, so sich nimmer der Andern erinnern,
Denn der Frühling ist da, und es lächelt die Erde,
Wir müssen die Todten vergessen.
Da sprach der Soldat in des Grabes Schooß:
Ich bin zufrieden.