Die Tröster
A. Bungert
Der schläft an dem Feuer, der träumt,
Daß warm hat sein Herze;
Und wenn er erwacht, so fürchtet
Sein Herz sich sehr vor der Kälte.
Sahst du von hinnen ziehen die Schwalben?
Mein Vater ist todt, seine Pelzmütz' ist mein,
Sein Gürtel voll Leder und auch sein Messer.
Und schlaf' ich und lieg' ich im Schlummer,
Dann springen die Messer heraus aus der Scheide,
Durchwandern das Feld;
Ich weiß nicht, wo hingehn die Messer.
Und graut erst der Tag, so hör' an mein Fenster ich pochen,
Dann mach' ich es auf, und da sind es die wiederkehrenden Messer.
Wo war't ihr? so frag' ich.
Dann geben sie Antwort: In Menschenherzen.
Das eine, das war vor Liebe so krank,
Wir haben's geheilt;
Das andre war müde, wir ruhten es aus.
Denn lieb sind uns Herzen der Menschen,
Und auch ihr Blut;
Wir trinken's, wie Furchen den Regen;
Dann pochen wir hell an dein Fenster:
Mach' auf deinen Messern, sie thaten ihr Werk!
Nun wisch' uns das Blut mit dem Aermel herab,
Dem Aermel, mit schwarzrothen Blumen gestickt.
Dann wasche den Aermel im Flusse,
Und steck' uns zurück in die Scheide, in ledernen Gürtel.
Der schläft vor dem Feuer, der träumt,
Daß warm hat sein Herze;
Erwacht er, so fürchtet sein Herze
Sich sehr vor der Kälte.
Hast du gesehen, wie verzogen die Schwalben?