Liebestod

A. Bungert

Nimm vom Busen mir die Blume, bitte,

Nimm die Blume auch aus meinem Haare,

Dann geh' fort von hinnen; denn die Nacht ist schön,

Und die Sterne freuen sich, den Weg dir anzusehen.

Neulich Abends kam ein Mann ins Dorf,

Und die Dörfler frugen ihn: Was suchest du?

Doch es sagte nicht der Mann zu ihnen, was er suchte,

Stellte sich vor jede Hütte hin,

Wo ein Blümlein an die Mauer war gemalt;

Und an jeder dieser Hütten hat der Mann gefragt:

O du Hüttlein, drein ein Mägdlein schlummert,

Welches ist die Maid, die sterben will vor Liebe?

Doch die Hütten schwiegen.

Da ist vor die kleinste er gekommen;

Auf der Schwelle lag zerbrochen eine Spindel,

Und am alten Brunnen lag zerbrochen auch ein Krug.

Als vor diesem Haus der Mann gefragt,

Ob die Maid es berge, die er suche,

Oeffnete die Maid das Fensterlein und sprach:

Ja, ich will vor Liebe sterben.

Da hat sie gesegnet jener Mann,

Und die Lippe ihr geküßt.

Und am Morgen war das Mägdlein todt.

Nimm vom Busen mir die Blume, bitte,

Nimm die Blumen auch aus meinem Haare,

Dann geh' fort von hinnen; denn die Nacht ist schön,

Und die Sterne freuen sich, den Weg dir anzusehen.