Die bösen Zungen

C. Sinding

Auf Vorsicht sei man stets bedacht,

es lauern rings Gefahren,

man kommt gar leichlig in Veracht,

weiss man sich nicht zu wahren.

Es giebt der bösen Zungen viel',

die keinen Menschen scheuen,

die Bosheit treibet frech ihr Spiel,

will Jeden der Schande weihen.

Du kannst mit ihnen Freund wohl sein,

wenn tapfer Du hilfst schmälen;

doch stimmst Du nicht mit ihnen ein,

sie Dich zum Opfer wählen;

giebst nur einen kleinen Anlass Du,

dann regen sich die Wichte,

sie raten und lügen fest dazu,

bis zur Skandalgeschichte.

Kann sein, Dir an der Gesundheit frisst

ihr boshaft, tückisch Streben,

dann sagen sie: "Das Trinken ist's,

und all' das tolle Leben."

Ein Schelm, der trägt den Namen Dein,

mag Böses 'mal verüben,

den Leuten fällt's gewiss dann ein,

Dir's in die Schuh' zu schieben.

Und was Du tust, Du machst's nicht recht,

sie alles sich vermessen,

und Jeden halten sie für schlecht

sich selbst sie nur vergessen.

Dagegen giebt's nur einen Rat:

Lass ducken Dich nicht unter!

Auf allen ihren Spott und Hass,

da pfeife frisch und munter!