Hoffnung und Erinnerung
C. Sinding
Beide schweifen in die Weite:
Hoffnung und Erinnerung;
rückwärts liegt die lichte Seite,
voran drütet Dämmerung;
in dies Düster schreitet Hoffnung
tastend sucht sie ihren Weg.
Lächelnd blickt zurück Erinn'rung:
dort ist licht und traut der Steg.
Das, dem stets mein Sinn misstraute,
sah ich oft verfolgt von Glück;
das, worauf getrost ich baute,
wies die Welt mit Spott zurück.
Luftgebilde, zarte, holde,
trog oft Hoffnung vor den Sinn;
doch, was ich am liebsten wollte,
das ward nimmer mein Gewinn.
Doch wenn Hoffnung oft auch trüget,
glaub' ich dennoch: sie ist gut;
wenn der Quell des Glücks versieget,
stählt mir Hoffnung neu den Mut.
Lass' die kleinen Wünsche fahren,
ohne Seufzer lass sie ziehn
nur die grossen musst Du wahren
fest und treu in Herz und Sinn.