Grabesblume
E. Tinel
Da blüht auf dem Grab ein Vergissmeinnicht
tief zwischen den seufzenden Halmen.
Da flüstert's wie Klagen im Grase dicht,
der Wind murmelt Totenpsalmen.
Ein hölzernes Kreuz sich am Hügel streckt,
verwittert, bemoost, verlassen.
Die Efeuranke liebreich es deckt;
was kümmert's im Grab der Blassen!
Es webt der Lüfte Hauch über dem Grab,
sie lassen ihr „Requiem“ hören;
vom Laub streifen leis' sie den Tau herab.
Der wird, die da schlummert, nicht stören!
Da blüht auf dem Grab ein Vergissmeinnicht,
der Wind singet Totenpsalmen,
und ach, bei dem Liede erbebt, die da liegt,
und seufzt und stöhnt tief unter den Halmen.