Leichenfeier

E. Tinel

In einer dunkelen Sommernacht

hast ew'ge Ruh' du erworben.

Ich hab' dich selber zu Grab' gebracht!

Mein Leben, ach, war gestorben.

In einer dunkelen Sommernacht

gingest, mein Lieb', du zur Rüste.

Die Nachtigall nimmer trüber klagt'

als da, totes Lieb, ich dich küsste!

Ich trug auf den Armen dich fort durch den Wald

und presst' an mein Herz dich, du Bleiche!

Doch matt war mein Auge, mein Busen war kalt,

und eisig blieb deine Leiche!

Ich irrte noch lang' durch den nächtlichen Hain,

dass wild meine Seele entfachte;

und geisterhaft blitzten die Sterne darein

wie Höllengesindel, das lachte.

Und zitternde Sträucher in grauschwarzem Flor

raunten für Tote die Bitten!

Doch ich, wie auch klagte im Schilfe das Rohr,

hab' nimmer geweint, hab' gelitten!