Schönschläferin

E. Tinel

Ich hab' dich jüngst im Traum geseh'n,

auf dem Brautbett, zwischen vier Brettern!

Wie lagst du so blank in dem schneeigen Lein,

wie spielt' um den Mund dir ein Lächeln so rein,

Schönschläferin, zwischen vier Brettern!

Gar herrliche Blumen in Lenzespracht

erblühten rings um dein Lager.

O Graus! Grinsend dir zur Rechten, da saß

als scheußlich Spinn'rin der Tod, und maß

dein Bahrkleid neben dem Lager!

Ich war, ach, der Prinz, der dich wecken sollt':

„Schönschläferin, woll' doch erwachen!“

Ich küsst' dir so liebvoll, so innig die Wang',

ich rief deinen Nam' voller Ahnung so bang!

Doch die grausige Spinn'rin, die lachte!