Chioggia

R. Maux

Wetterbraune, dichtgedrängte Fassaden,

Marienbilder in verborgenen Nischen,

Wasserspiegel und träge Gondeln dazwischen

Und breite Barken mit braunen Fischern beladen.

Überall aber, auf jeder bröckelnden Mauer,

In allen Gassen, auf Treppen und in Kanälen

Liegt eingeschlummert eine verzweifelte Trauer

Und will von vergangenen Zeiten erzählen.

Leise geh ich und mit verborgenem Schrecken

Über die Fliesen - ängstlich, ich möchte sie wecken.

Wenn sie erwachte! Ich könnte nimmer entrinnen!

Eilend schreit' ich vorbei und suche den Hafen,

Suche das Meer und ein reisendes Schiff zu gewinnen.

Hinter mir zögern traurig die Gassen und schlafen.