Sieh, die Glockenmänner sind am Schlagen!

R. Maux

Sieh, die Glockenmänner sind am Schlagen!

Zitternd von der warmen Luft getragen

Folgen unentrinnbar allerwege

Uns die schonungslosen Stundenschläge.

Stille Liebe, gib mir deine Hände

Noch einmal! Der Zauber ist zu Ende,

Dem wir folgten so viel süße Gänge

Durch der Gassen und Kanäle Enge.

Morgen muß ich diese schmalen Gassen

Und die Stadt und dich und alles lassen,

Muß zurück in meinen wolkendunkeln

Norden, wo die bleichen Gletscher funkeln,

Wo man deiner Sprache reiches Tönen

Nicht versteht und nichts versteht vom Schönen,

Noch von Klang noch Freude. Dunkle Lose

Warten meiner in der Heimat Schoße.

Bei des Herdes Licht in wachen Nächten

Werd ich Kränze weher Lieder flechten

Um dein Bildnis, werde traurig träumen

Von den leuchtenden Lagunensäumen,

Von den Tagen, deren weiches Gleiten

Niemals störte unsre Seligkeiten,

Die so still und lachend uns beglückten,

Die mit Küssen wir und Liedern schmückten.

Tief im Traume wird mich dann zuweilen

Deiner schönen Stimme Klang ereilen

Venezianische Koseworte sagend,

Allen Duft des schönen Damals tragend.

Und ich werde mit verborgenen Tränen

Mich nach dir und nach Venedig sehnen...

-- Gondoliere, nach San Vio! -- Müde

Schweigt die Glocke. Gib mir die verblühte

Gelbe Rose noch aus deinen Haaren!

Und nun wollen wir nach Hause fahren.