Komm, wir wollen einen Schmuck erdenken

R. Maux

Komm, wir wollen einen Schmuck erdenken,

Den wir eins dem andern wollen schenken,

Wenn einmal wir beide arme Kinder

Fürsten werden sein und Schätzefinder.

Eine Kette hab ich dir ersonnen:

Perlen, fern im Orient gewonnen,

Perlen, die perlmuttern und opalen

Mit versteckten jähen Lichtern prahlen;

Dieser Perlen reiche Reihen sollen

Endigen in einen wundervollen

Busenstern von lachenden Rubinen,

Die begierig deiner Schönheit dienen

Und inmitten eine Platte tragen,

Drauf in altem Golde aller Sagen

Lieblichste in zarter Arbeit leuchtet:

Aphrodite, welche schaumbefeuchtet

Aus der Welle schwebt. Die Göttin trüge

Deiner eigenen Schönheit schöne Züge.

Ich hinwieder wünsche mir aus Glase

Eine schlankgeformte, hohe Vase.

Ihre Wände müßten meergrün schimmern

Und wie Sonnenschein am Lido flimmern,

Hundertfarbig mit dem Licht im Bunde,

Irisspielend jegliche Sekunde.

In Murano soll der beste Bläser

Schaffen uns dies Wunder aller Gläser,

Tag und Nächte soll er wund sich mühen,

Bis ihm Farbenwunder traumhaft blühen

Und aus seiner reichsten Träume Gluten

Uns der fabelhafte Kelch wird fluten.

Dann an warmen Abenden wie heute

Tönt der Kelch ein wundersam Geläute

Und wir beide hören zu und schweigen,

Bis aus dem Geläute Lieder steigen,

Lieder, die wie Fabeln fremder Zeiten

Fremd und schön in langen Takten gleiten,

Tief in Zauberglück die Seele hüllen,

Aller scheuesten Sehnsucht Wunsch erfüllen.

Hörst du, Gina? Hörst du nicht? -- Es ziehen

Schon vom Ufer her die Melodien,

Es erglänzen schon in jähen Garben

Unsres Kelches tausendfache Farben!

Über Redentore hängt verblühend

Reif und schwer die Sonne, blutrot glühend,

Die Lagune leuchtet auf in großen

Feuerfeldern, blüht in roten Rosen,

Feiert aller Farben reichste Feste,

Überströmt mit Prunk uns stille Gäste.

Nein, der Bläser soll sich nicht bemühen,

Schau, hier siehst du meine Vase glühen!

Irgendwo im blauen Meere hinten

Werden wir auch deine Kette finden.