In Burano, wo an ihren Spitzen

R. Maux

In Burano, wo an ihren Spitzen

Hundert schöne Mädchen fleißig sitzen,

Mit den weißen, allzu spitzen, raschen

Fingern eilig fügen feine Maschen,

Wo an wundervoll geschaffenen Stücken

Fremde schöne Damen sich entzücken,

In Burano bin ich heut gewesen,

Ein Geschenk dir, Gina, zu erlesen.

Ah wie glänzten die brillanten, frischen

Zartgeblümten Zeuge auf den Tischen!

Ah wie zart in tastend leisen Händen

Fühlte ich der feinen Nähte Enden!

Einen Spitzensaum und sieben Krägen

Ließ ich sorgsam mir beiseite legen;

Daß ein feiner Schmuck dich würdig ziere,

Gab ich gerne sechzehnhundert Lire.

Dann erschaute ich und ließ mir reichen

Weiße Seidenkissen, die mit weichen

Breiten Säumen edler Arbeit prangten,

Säume, deren Fries von reichgerankten

Spitzenkränzen und erhabnen Rosen

Mir verlockend schien, darauf zu kosen

Holde Liebesstunden. Zwölf Zechinen

Zahlte ich für jedes Stück von ihnen.

Eine Gondel ließ ich damit füllen

Und mit starkem Segeltuch verhüllen.

Diese Gondel, leider muß ich's sagen,

Ward hinaus ins offene Meere verschlagen,

Und ich fürchte, unsre schönen Sachen

Werden nun den Fischen Freude machen.

In den weißen Spitzenrankenkränzen

Werden schlanke Silberfische schwänzen,

Durch die Maschen, die so köstlich waren,

Wird der Thunfisch und der Hering fahren,

Und die seideweichen Liebeskissen

Werden von der Störe Brut zerschlissen.

Einzig eine kleine, arme Haube

Blieb mir über und entging dem Raube.

Nimm sie, Schönste, an der Schätze Stelle,

Die mir tückisch stahl der Gott der Welle.