O laß mich von der Luft durchdringen

Schumann, Robert

Die Jungfrau

O laß mich von der Luft durchdringen,

Der sel'gen Luft, gehaucht von dir,

Und was sie trag' auf ihren Schwingen,

Tod oder Leben, süß ist's mir.

Trink meine Tränen, auch mein Blut,

Mein Herzblut selbst empfingest du,

Wär's Balsam nur für deine Glut,

Gäb's dir nur auf Minuten Ruh!

Wend', o! dein hold Gesicht nicht ab,

Bin ich nicht deine Braut, bin dein?

Ist nicht im Leben wie im Grab

Der Platz an deiner Seite mein?

Denkst du, daß sie, die nur von dir

In dunkler Welt empfängt ihr Licht,

Die trübe Nacht erträgt, die ihr

Hereinsinkt, wenn dein Auge bricht?

Ich leben ohne dich, allein,

Du meines Lebens Leben, nein!

O laß mich von der Luft durchdringen,

Der sel'gen Luft, gehaucht von dir,

Und was sie trag' auf ihren Schwingen,

Tod oder Leben, süß ist's mir!

Tenor-Solo

Sie wankt ­ sie sinkt ­ und wie ein Licht

Im giftigen Hauche des Schachts

Verlischt, so plötzlich bricht

Ihr holdes Auge ­

Ein Krampf, sein Weh ist dann vergangen,

Vollendet ist sein Leben.

Auf drückt sie ihm noch einen langen

Und letzten Kuß und stirbt im Geben.