Der Räuberin Wiegenlied

C. Banck

Hulluh, hulluh, schlaf ein, mein Kind,

der Mond steht auf der Heide!

Es heult der Wolf, der Strom, der Wind,

doch ärger heult der Gram, mein Kind!

Rasch läuft der Wolf, der Wind, der Strom,

doch schneller läuft der Traum davon,

die Liebe und die Freude.

Hulluh, hulluh, hulluh!

Wär' ich ein Kind wie du!

Hulluh, hulluh, ein Kind wie du,

auch ich bin's einst gewesen;

auf meine Brust kommt keine Ruh',

und bin viel müder doch als du!

Dein Vater hat mit gift'gem Zahn

viel Herzeleid mir angetan,

ich kann's ihm nicht vergessen.

Hulluh, hulluh, hulluh!

Wär' ich ein Kind wie du!

Hulluh, hulluh, viel Milch und Blut

hab' ich um dich vergossen;

du weißt nicht, wie's der Mutter tut,

der Gram frisst mehr als du mein Blut!

Lang ist die Nacht, die Stunde schleicht,

und eh' die Sonn' vom Meere steigt,

viel' Tränen sind geflossen.

Hulluh, hulluh, hulluh!

Wär' ich ein Kind wie du!