Gebet

C. Banck

Die in stiller Nacht

freundlich haltet Wacht,

ihr, des Lebens Sterne!

Ziehet nicht hinweg,

zeiget mir den Steg

in das Land der Ferne,

dass ich meinen Schmerz,

mein gebeugtes Herz

dann auf Erden lass' zurück.

Beten will ich, Herr,

bis kein Atem mehr

ist auf meiner Zungen,

bis die Hände wund,

aus dem bleichen Mund

ist mein Seel' gedrungen!

Ach, es brennt und wühlt,

und kein Balsam kühlt

meine Glut in meiner Brust!

Schwingen, schwer von Tau,

Seele, schwach und grau,

will nicht aufwärts dringen!

Und kein Flehen süß

will ins Paradies

des Erbarmens dringen!

Blitz und Flamm' und Stern

ziehen zu dem Herrn,

aber meine Seufzer nicht!