An die Natur
F. Rust
Nimm in deine offnen Arme uns, o heilige Natur!
Frei vom Stadtgewühl und Harme, leite uns auf deiner Spur!
Ja, du winkst mit Muttermilde uns an deine treue Brust!
Rund um dich haucht das Gefilde Freiheit und gesunde Lust!
Hier zu unsern Füßen schmiegen Klee und Ringelblumen sich,
Und im höhern Grase wiegen sich die Weste wonniglich!
Kleine Beinen schwirren nieder, Nektarkelche aufzuspähn;
Und ihr goldbestäubt Gefieder lassen Schmetterlinge sehn!
Von des Fruchtbaums Krone strahlet schon der Früchte Gold uns zu;
Und des Landmanns Müh bezahlet bald die blonde Saat mit Ruh.
Weinstock, deine goldnen Trauben, die dem Laubdach sich entdrängt,
Glühn, uns jeden Gram zu rauben, wenn ihr Nektar uns getränkt!
Hoch aus Luft und Wipfel singen Vögel ihres Daseins Glück.
Und zufriedne Sch&äfer bringet uns Arkadien zurück!
Fröhlich leiten sie die Heerde durch beblühmten, süßen Klee;
Lachen dein Monarch der Erde bei dem Kuß der Galathee!
Seht! auf jenes Hügel Haupte, ladet uns der Pappelbaum,
Der dem Wandrer sich belaubte, in den breiten Schattenraum!
Dort, dort blicke uns die Sonne, eh sie sinkt, noch einmal an!
Lehre uns die Himmelswonne des, der seine Pflicht getan!
Dank dir für die tausend Freuden, süße, heilige Natur!
Freiheit, Ruh und Lust begleiten uns getreu auf deiner Spur!
Deine Mutterhuld versüße unsers Pilgerlebens Last,
Und in deinem Schooß genüße unser Staub einst sanfte Rast!