Die Vergänglichkeit

F. Rust

Des Lebens Freude welkt dahin

gleich Blumen auf den Matten,

täuscht, vielgestaltet, Herz und Sinn,

doch hascht sie - ihr fasst Schatten,

ergreift sie höchstens bei dem Saum;

des Lebens Glück ist nur ein Traum.

Des Daseins Vorhang rollt empor

zur ersten Jugendszene,

da kömmt die Welt euch lieblich vor

wie Nachtigallentöne;

ihr hüpft mit leichtem Flattersinn

wie Zephir über Blumen hin.

Ach! Aber eurer Kindheit Glück,

wie bald hüpft es von hinnen!

Ein süßes Wort, ein holder Blick

bezaubert eure Sinnen.

Ihr liebt und strebt und kämpft und ringt,

bis euch die Schäferstunde winkt.

Und schlägt sie dann, habt ihr sie nun

erstrebt, erkämpft, errungen,

dürft sanft im Arm der Liebe ruh'n,

verwebt in eins, verschlungen,

und glaubt noch einen Himmel kaum -

so wird auch dies Glück bald zum Traum.

Doch heil euch, gab's euch Amor noch,

schlug sie, die Schäferstunde!

Es ward euch Gegenliebe doch,

ihr hingt doch Mund an Munde!

Ach, mancher ringt, bis 's Herz ihm bricht,

die Schäferstunde schlägt ihm nicht.

Und Freundschaft, schöner Seelen Band!

Lasst Freunde sich verstehen

und sehnen, wünschen, Hand in Hand

durchs Leben hinzugehen!

So trennt der Tod, trennt Pflicht, Geschick

die Edlen; Traum ist jedes Glück!

O so genießt der Gegenwart!

Verschiebt es nicht bis morgen;

wer den Genuss für Zukunft spart,

vermehrt oft Gram und Sorgen!

Des inner'n Frohsinns Heiterkeit

trübt Tod nicht, nicht Vergänglichkeit.