Die Tanne
F. Rust
Sieh, Doris, wie vom Mond bestrahlt
Die Tanne glänzt.... wie schön!
Vor jedem Baum hab' ich im Wald
Die Tanne mir ersehn.
Wie ruhig steht sie da im Thal,
Gepflanzt von Gottes Hand!
Es bleicht kein Reif, kein Sonnenstrahl
Ihr ewiggrün Gewand.
Auf ihren Ästen baut kein Wurm,
Kein falscher Weih sein Nest,
Und neigt sich gleich ihr Haupt im Sturm,
So steht ihr Fuss doch fest.
So steht sie, bis aus schwüler Luft
Ein Blitz sie niederstreckt,
Und dann noch haucht sie süssen Duft
Bis kühles Moos sie deckt.
Deckt, Doris, mich einst kühles Moos,
So reiss im Mondesschein
Aus unsrer Kinder Arm dich los
Und wall' in diesen Hain.
An meine Tanne hingelegt,
Sing dann in heiterm Ton
Dein Lied, das mich so oft bewegt,
Das vom Hylarion.
Und dringen Seufzer in das Lied,
So blick' den Himmel an,
Von welchem der herunter sieht,
Der uns vereinen kann.
Und wenn, wie von des Zephyrs Wehn,
Der Tanne Wipfel bebt;
So ist's mein Geist, der ungesehn
Ob deinem Scheitel schwebt.
Und werf' ich zu des Baumes Fuss
Ein Zweiglein dir herab,
So weih' es ein mit einem Kuß,
Und steck' es auf mein Grab.