Wechselgesang

F. Rust

Einer:

Wer spannet den Bogen

in dunkeln Gezelt?

Wer schwärzet die Wogen?

Wer schrecket mit Blitzen die zagende Welt?

Alle:

Er spannet den Bogen

im friedlichen Zelt,

er stillet die Wogen,

er tränket mit Labsal die lechzende Welt.

Einer:

Wer fähret auf Wettern

im Wagen der Nacht?

Wer dräut, zu zerschmettern

den Fels und die Ceder, die wankend erkracht?

Alle:

Es trägt Ihn im Sturme

der Wagen der Nacht;

dem Menschen, dem Wurme,

verkündet sich segnend des Herrlichen Macht.

Einer:

Wer schaute die Rosse

von Seinem Gespann?

Mit welchem Geschosse

durcheilt Er, mit Wettern umgürtet, die Bahn?

Alle:

Die Kraft und die Eile,

so heißt Sein Gespann!

Des mächtigen Pfeile

sind Flammen; Unendlichkeit heißet die Bahn.

Einer:

Ach! Höret ihr rollen

den Wagen daher?

Er nahet! Ach, sollen

die Berge zerschmelzen, versiegen das Meer?

Alle:

Des Mächtigen Nähe

beseelet die Welt!

Hier ist Er! O spähe

nach ihm nicht von ferne durchs Wolkengezelt.

Einer:

Wie soll ich Ihn kennen?

Wer zeiget mir Ihn?

O dürft' ich Ihn nennen

und zittern vor Ihm in dem Staube hinknien!

Alle:

Sein Nam' ist Erbarmen

und Liebe Sein Tun!

Wir sollen erwarmen

von Lieb', und im Schooße, wie Kinder Ihm ruh'n.