Lied eines deutschen Knaben

F. Rust

Mein Arm wird stark, und groß mein Mut;

Gieb, Vater, mir ein Schwert!

Verachte nicht mein junges Blut!

Ich bin der Väter wert!

Ich finde fürder keine Ruh

Im weichen Knabenstand!

Ich stürb', o Vater, stolz wie du,

Den Tod fürs Vaterland!

Schon früh in meiner Jugend war

Mein täglich Spiel der Krieg;

Im Bette träumt' ich nur Gefahr,

Und Wunden nur und Sieg.

Mein Feldgeschrei erweckte mich

Aus mancher Türkenschlacht;

Noch jüngst ein Faustschlag, welchen ich

Dem Bassa zugedacht.

Da neulich unsrer Krieger Schar

Auf dieser Straße zog,

Und, wie ein Vogel, der Husar

Das Haus vorüberflog:

Da gaffte starr, und freute sich

Der Knaben froher Schwarm;

Ich aber, Vater, härmte mich,

Und prüfte meinen Arm.

Mein Arm wird stark, und groß mein Mut;

Gieb, Vater, mir ein Schwert!

Verachte nicht mein junges Blut!

Ich bin der Väter wert!