Der Wald

F. Rust

Herrlich ist's im Grünen!

Mehr als Opernbühnen

Ist mir Abends unser Wald,

Wenn das Dorfgeläute

Dumpfig aus der Weite

Durch der Wipfel Dämm'rung hallt.

Horch, aus mildem Glanze

Streut, im leichten Tanze,

Mir das Eichborn Laub und Moos;

Fink' und Amsel rauschen

Durch die Zweig' und lauschen

Rings im jungen Maigesproß.

In der Abendhelle

Funkelt die Libelle,

Sanft am Farrenkraut gewiegt;

Mückenschwärm' erheben

Sich aus Binsengräben,

Und der braune Schröter fliegt.

Iris und Ranunkel

Blühn im Weidendunkel,

Wo durch Tuff die Quelle schäumt,

Die mit Spiegelglätte

Dort im Rasenbette

Wies' und Birkenthal umsäumt.

Ob dem Felsenpfade

Schimmert die Kaskade,

Wie ein flatternd Silberband,

Hell durch Laubgewimmel

Blinkt der Frühlingshimmel,

Und der Berge Schneegewand.

Zauberisch erneuen

Sich die Phantaseien

Meiner Kindheit hier so licht!

Rosenfarbig schweben

Duftgebild' und weben

Ein elysisch Traumgesicht.