Der Abend

Anonymous

Der Abend ist gekommen,

Das Glöcklein ruft zur Ruh, --

Der Hirte mit den Schäflein

Zieht froh dem Dorfe zu.

Er singt mit heller Stimme

Ein fröhlich Gotteslied

Daß durch die stillen Fluren

Es weithin schallend zieht.

Der Bauer treibt vom Felde

Die Kühe still nach Haus;

Die Mutter an dem Herde

Kocht schon den Abendschmaus.

Die Taube fliegt zum Schlage,

Das Huhn schläft schon im Stall; --

Ein Sternlein seh' ich blinken, --

Und still wird's überall!

Das Vöglein in dem Walde

Schlüpft müde in sein Nest;

Das Kindlein in der Wiegen,

Das schläft schon süß und fest.

Der Abend ist gekommen,

Das Glöcklein rief zur Ruh,

Und Alles nah und ferne

Schließt müd die Augen zu.

Nur Gott der treue Hüter,

Der schläft und schlummert nicht,

Sein Aug' ist nie geschlossen,

Ist ewig wach und licht.

Er sendet tausend Engel

Wohl in der stillen Nacht,

Die halten bei den Frommen

Auf Erden treue Wacht.

Sie decken mit den Flügeln

Die Kindlein schützend zu,

Sie singen holde Träume

Und bringen süße Ruh!