Vom fleißigen Vöglein

Anonymous

Was fliegst du doch ohn' Ruh und Rast.

O Vögelein, von Ast zu Ast?

Du bist ein närrisch kleines Thier,

So komm doch her und spiel mit mir!

Das Vöglein spricht: Hab' viel zu thun

Und darf nicht spielen, darf nicht ruhn,

Denn meine Kindlein sind noch klein;

Hörst du sie nicht nach Futter schrein?

Die armen Dinger sind noch nackt,

Drum hab' ich warm sie eingepackt;

Nun recken sie die Hälschen aus,

Ob bald die Mutter kommt nach Haus.

Weit sperr'n sie auf die Schnäbelein,

Drum fang ich Mücken für sie ein;

Wenn's Abend wird, dann halt ich Ruh,

Und sing ein fröhlich Lied dazu,

Und danke Gott, daß Er auch mich

Den Tag behütet väterlich;

Leb wohl, du Kindlein, denke dran,

Wie viel dein Gott für dich gethan!