Der alte Herr Sturm

Anonymous

Herr Sturm ist gar ein wilder Herr,

Oft fährt er über Land und Meer,

Im schwarzen Wolkenwagen,

Sieh, wie der Kerl so finster blickt!

Den Hut tief in's Gesicht gedrückt,--

So läßt er fort sich tragen.

Die Pferde fliehn im schnellen Lauf,

Herr Sturm haut immer wacker drauf,--

Sie müssen weiter brausen!

Sie schnauben fort mit grimmem Blick,

Die Mähnen flattern wild zurück,--

Hört! wie sie stürmend sausen!

Und immer zu die Rosse fliehn,

Daß Funken von den Hufen sprühn

Und laut die Räder rollen;

Herr Sturm im dunkeln Wagen sitzt,--

Wir sagen dann: "Es hat geblitzt!"

Und nennen's Donnergrollen.

Die Bäum' und Sträucher allzumal

Auf hohem Berg, im tiefen Thal,

Die fürchten sich nicht wenig;

Sie neigen sich und beugen sich

Und flüstern stets gar emsiglich:

"Herr Sturm! ganz unterthänig."

Herr Sturm darob ein wenig lacht,

Fährt immer zu bei Tag und Nacht

Mit Brausen und mit Blitzen.

Die Sonne, diese sanfte Frau,

Die kennt den wilden Sturm genau,

Bleibt still zu Hause sitzen.

Doch wenn der Sturm vorüberzieht,

Vom tollen Fahren tüchtig müd,

Auf's Ohr sich hinzulegen:

Dann kommt die Sonne mild herbei;

Die Bäum' und Sträucher dann auf's Neu

Sich frisch und freudig regen.