Die heilige Elisabeth

Brahms, Johannes

Die heilige Elisabeth an ihrem Hochzeitsfeste

Verließ den stolzen Fürstensaal,

Verließ heimlich die Gäste,

Ging in den dunkeln Wald hinaus,

Wo eine heilge Kapell erbaut,

Der Mutter Gottes zu dienen!

O Mutter Gottes, welches Leid,

Ich muß jetzt von dir scheiden!

Die letzten Blumen bring ich heut,

Fort muß ich, ich muß meiden

Jetzt deinen heilgen Gnadenort

Muß weithin in die Fremde fort.

Ade du Heilandsmutter!

Du Bild, so heilig, gnadenreich,

Mein Aug steht voller Zähren,

Daß ich jetzund dich nicht mehr schau,

Das will mich schier verzehren;

Leb wohl, leb wohl, du Mutter mein,

Mit deinem lieben Kindelein!

Ade, zu tausendmalen!

Sie betet, flehet also lang

Und will darob nicht beben,

Daß sich ein scharfes blankes Schwert

Jetzt über ihr erhebet;

In reiner Gnade schwebt ihr Blick,

Und achtet nicht des Räubers Tück,

Der sie da will ermorden!

Als der Räuber dieser Blick vernahm,

Und schaut die heilge Frauen,

Schwere Reue ihn da überkam,

Sein Herz beginnt zu grauen.

Legt ab sein Schwert und seinen Spieß,

Auf seinen Knie sich niederließ,

Wagt dann sie anzublicken.

Um dich sind Gottes Engel rings,

Den Lockenschmuck zu schützen,

Ich muß mein Leben lang dies Knie

O Fraue, vor dir beugen,

O Tugendreiche, bet für mich,

Daß Gott der Herr erbarmet sich

Und mich in Gnaden segnet.