Ich stund an einem Morgen
Brahms, Johannes
Ich stund an einem Morgen
Heimlich an einem Ort
Da hätt ich mich verborgen,
Ich hört klägliche Wort
Von einem Fräulein hübsch und fein,
Das stund bei seinem Buhlen,
es muß geschieden sein.
Herzlieb, ich hab vernommen,
Du wolltst von hinnen schier,
Wenn willst du wiederkommen,
Das sollst du sagen mir;
So merk, Feinslieb, was ich dir sag,
Mein Zukunft tust du fragen,
Ich weiß weder Stund noch Tag.
Das Fräulein weinet sehre,
Ihr Herz war Kummers voll,
Nun gib mir Weis und Lehre,
Wie ich mich halten soll.
Ich setz für dich, was ich vermag,
Und willt du hie beleiben,
Ich verzehr dich Jahr und Tag.
Der Knab, der sprach aus Mute,
Dein Willen ich wohl spür,
So verzehrten wir dein Gute,
Ein Jahr werd bald hiefür,
Dennoch müßt es geschieden sein,
Ich will dich freundlich bitten,
Setz deinen Willen drein.
Das Fräulein, das schrie Morte!
Mord über alles Leid,
Mich kränken deine Worte,
Herz Lieb, nicht von mir scheid.
Für dich so setz ich Gut und Ehr,
Und sollt ich mit dir ziehen,
Kein Weg wär mir zu fern.
Der Knab der sprach mit Züchten,
Mein Schatz, ob allem Gut,
Ich will dich freundlich bitten,
Schlag dirs aus deinem Mut.
Gedenk wohl an die Freunde dein,
Die dir kein Arges gönnen.
Und täglich bei dir sein.