Wach auf, mein Hort

Brahms, Johannes

Wach auf, mein Hort,

Vernimm mein Wort,

Merk auf, was ich dir sage:

Mein Herz das wüt't

Nach deiner Güt

Laß mich, Frau nicht verzagen,

Ich setz zu dir

All mein Begier,

Das glaub du mir,

Laß mich der Treu genießen.

Dein stolzen Leib

Du mir verschreib,

Und schleuß mir auf dein Herze,

Schleuß mich darein,

Herzliebste mein,

Wend mir mein großen Schmerzen,

Und den ich trag

Tag unde Nacht

Zu dir allein,

Werd mir freundlich zu Willen.

Ach, junger Knab,

Dein Bitt laß ab,

Du bist mir viel zu wilde

Und wenn ich tät

Nach deiner Bitt,

Ich fürcht, es blieb nicht stille.

Ich dank dir fast,

Mein werter Gast,

Der Treue dein,

Die du mir gönnst von Herzen.

Da lagn die Zwei,

Ohn Sorgen frei,

Die lange Nacht in Freuden,

Bis übr sie schien

Der Tag herein,

Noch soll mein Treu nicht leiden,

Noch für und für

Lieg ich an dir,

Das trau du mir,

Laß mich der Lieb genießen.

Der Wächter an

Der Zinnen stand:

Liegt Jemand hier verborgen,

Der mach sich auf

Und zieh davon,

Daß er nicht komm in Sorgen.

Nimm Urlaub von

Dem schönen Weib,

Denn es ist Zeit,

Es scheint der helle Morgen.

Von dann er sich schwang

Hub an und sang

Wie es ihm wär ergangen

Mit einem Weib,

Ihr stolzer Leib

Hätt ihn mit Lieb umfangen.

Hätt ihn verpflicht,

Hub an und dicht't

Ein Tageweis

Von einer schönen Frauen.