Nachtigall, sag
Brahms, Johannes
Nachtigall, sag, was für Grüß',
Was ist dein Gesang so süß?
So schaurig, so schaurig!
Bald thut wohl mir dein Gesang,
Und wird's mir im Herzen bang!
So schaurig, so schaurig!
Wie es tönet durch den Wald,
Fließt die Thräne von der Wang'.
So schaurig, so schaurig!
In dem Herzen ringt die Noth
So als wär' es gar der Tod!
So schaurig, so schaurig!
Nachtigall, so wundersam,
Sprich in Jesu Christi Nam':
So schaurig, so schaurig!
Wie solch Singen möglich ist?
Und verkünde, wer du bist!
So schaurig, so schaurig!
Der du bist, das war ich einst,
Meine Sünd' ist nicht die kleinst',
So schaurig, so schaurig!
Wart bis auf den jüngsten Tag
Auf mein Urtheil mit der Klag'.
So schaurig, so schaurig!
Rauschend fliegt der Vogel fort,
Warnt bald hier und warnt bald dort;
So schaurig, so schaurig!
Wer vernommen den Gesang,
Der wird nicht mehr leben lang'.
So schaurig, so schaurig!