Schöner Augen schöne Strahlen

Brahms, Johannes

Schöner Augen schöne Strahlen,

schöner rother Wangen Prahlen;

schöne rothe Lippen,

schöne Marmorklippen

liebt mein Gesicht.

Unter diesen Schönen allen

hat mir Eine nur gefallen;

aber ihretwegen

Fesseln anzulegen,

das thu' ich nicht.

Ich will stets in Freiheit bleiben,

meine Zeit in Lust vertreiben,

auch in jungen Jahren

mein Herz wohl bewahren

vor Liebespein.

Fahre hin, du falsche Seelen,

ich will mich nicht um dich quälen,

willst du mich nicht lieben,

sondern nur betrüben,

bleib wo du bist.

Jetzt hab' ich mir vorgenommen

nimmermehr zu dir zu kommen,

denn du bist von Flandern,

liebst Ein'n um den Andern,

drum hass' ich dich.

Wer kann denken, wie es schmerzet,

wenn ein Andrer mit ihr scherzet,

mit den Augen zielet,

mit den Lippen spielet,

mir zum Verdruß.