Es ging ein Maidlein zarte

Brahms, Johannes

Es ging ein Maidlein zarte

Früh in der Morgenstund

In einen Blumengarten,

Frisch, fröhlich und gesund;

Der Blümlein es viel brechen wollt,

Daraus ein'n Kranz zu machen

Von Silber und von Gold.

Da kam herzugeschlichen

Ein gar erschrecklich Mann,

Die Farb war ihm verblichen,

Kein Kleider hatt er an.

Er hat kein Fleisch, kein Blut, kein Haar,

Es war an ihm verdorret,

Sein Fleisch und Flechsen gar.

O Tod, laß mich beim Leben,

Nimm all mein Hausgesind!

Mein Vater wird dirs geben,

Wenn er mich lebend findt;

Ich bin sein einzig Töchterlein,

Er würde mich nicht geben

Um tausend Gulden fein.

Er nahm sie in der Mitten,

Da sie am schwächsten war,

Es half an ihm kein Bitten,

Er warf sie in das Gras,

Und rührte an ihr junges Herz,

Da liegt das Maidlein zarte

Voll bittrer Angst und Schmerz.