Erinnerung an den Tod
C. Bach
Noch bin ich dein Gast, o Erde.
Gott mehrt meiner Tage Zahl.
Dass ich reif zum Himmel werde,
prüft er mich, lässt mir die Wahl,
Böses oder Guts zu wählen.
Doch werd ich viel Jahre zählen
oder ruft ein früher Tod
mich zur bangen Sterbensnot?
Herr, du weißt's. Du hast die Tage
meines Lebenslaufs gezählt.
Ihre Freuden, ihre Plage
sah dein Auge, das nie fehlt;
früher noch, als du auf Erden
mich ließt einen Pilger werden,
da schon schriebst du meinen Tod
auf dein Buch, allweiser Gott.
Einst, wenn es dein Wille fordert,
wird mein reger Leib zu Staub;
und das Feuer, das in mir lodert,
wird des kalten Todes Raub.
So wie Frühlingsblumen welken,
wird mein Leben auch verwelken;
Kraft und Odem nehmen ab
und den Leichnam nimmt das Grab.
Nimm ihn hin zu deinem Staube,
Grab, verwandle ihn in Erd!
Dennoch triumphiert mein Glaube,
denn mein Leib wird einst verklärt.
Des verwesten Körpers Trümmer
bleiben wahrlich nicht auf immer
der Vermodrung schnöder Raub,
neu beseelt wird einst mein Staub.
Durch dein schöpfrisch Wort: Es werde!
rufst du, Herr, in mein Gebein
neues Leben. Nicht mehr Erde
wird alsdann mein Körper sein.
Zu den himmlischen Geschäften
schmückst du ihn mit neuen Kräften:
Und von Schmerz und Sterblichkeit
wird er ewig dann befreit.
Hör, o Seele, einst mit Freuden
jenen Ruf: Das Grab ist da!
Denn das Ende deiner Leiden
ist mit ihm zugleich dir nah.
Er, der deinen Tod bezwungen,
hat das Leben dir errungen.
Durch den Weg der Sterblichkeit
führt er dich zur Ewigkeit.
Stärke mich auf diese Stunde,
Jesu, der du für mich starbst
und an Gottes Gnadenbunde
ewig Anteil mir erwarbst.
Lass mich Tod und Grab nicht scheuen,
lass vielmehr mich darauf freuen!
Denn nach treu vollbrachtem Lauf
nimmst du mich zum Himmel auf.