Morgenlied

C. Bach

Des Morgens neue Sonne

erfüllt auf dein Geheiß

mit Leben, Licht und Wonne,

Gott, deinen Erdenkreis.

Auf mich scheint sie herab.

Ich freue, Gott, ich freue

mich ihres Lichts aufs neue

und deiner, der es gab.

Zu dir, zu dir erhebe

die frohe Seele sich.

Allmächtig sprachst du: Lebe!

Ich lebte, Herr, durch dich;

und mit dem ersten Strahl

gab deine milde Sonne

mir Leben, Licht und Wonne

und Segen ohne Zahl.

Sieh, dieser neue Morgen

soll dir geheiligt sein.

Ich will mich frei von Sorgen

nur deiner Güte freun.

Bis hieher halfst du, Herr!

Lobsing ihm, meine Seele!

Lobsing ihm und erzähle:

Wie treu, wie gut ist er!

Ich überschau die Pfade

der kurzen Pilgerschaft.

Nah war mir Gottes Gnade,

nah war mir seine Kraft.

Er leitete zum Ziel

mich auf so sanften Wegen

und gab mir seinen Segen,

mir großer Freuden viel.

Und gegen diese Freuden

(o wer, wer zählet sie?),

was sind die kurzen Leiden,

was ist des Lebens Müh?

Am Abend war mein Herz

oft voll von Gram und Sorgen,

und mit dem neuen Morgen

verschwand mein Gram und Schmerz.

So war des Ew'gen Rechte

stets meine Zuversicht.

Durch Tage wie durch Nächte

war er mein Heil und Licht.

Wie tat er mir so wohl!

Wohin ich geh und trete,

ist jede, jede Stätte

von seiner Güte voll.

Gott, dir gebühret Stärke

und Preis in Ewigkeit!

Groß, groß sind deine Werke,

groß deine Freundlichkeit.

Ich will mein Lebelang

dich preisen, dich erhöhen.

Und einst mein letztes Flehen

sei noch dein Lobgesang!