Bleich' am warmen Stral der Sonnen

F. Kunzen

Bleich' am warmen Strahl der Sonnen,

Leinwand, die ich selbst gesponnen

Von dem feinsten Knockenflachs.

Dich besprengen Jungfernhände,

Daß dein Glanz die Augen blende,

Weiß wie Schnee und Jungfernwachs.

Bald als Laken und als Bühren,

Sollst du mir das Brautbett zieren,

Unter Mai'n und Rosenduft:

Denn Johannis hat mein Treuer

Ausgesetzt zur Hochzeitfeier,

Wenn der Kukuk nicht mehr ruft.

Wer mich freit, ihr lieben Laken?

Siegmund Franke, braun von Backen,

Und so groß, so stark und brav!

Er, der vorig's Jahr zum dritten

Seinen Kranz herabgeritten,

Und dies Jahr den Vogel traf!

Zwang er nicht vier bärt'ge Werber?

Nehm' er Handgeld, oder sterb' er!

Fluchten sie, und zogen gar.

Knapps! zerstückt lag Kling' an Klinge:

All der Hagel! welche Sprünge

That mein Leutnant und Husar!

Unsers Schulzen zartes Hedchen,

Und das staatsche Kammermädchen

Thun am Kirmes so bequem,

Knixen, äugeln, händedrücken,

Um sein Herzchen zu berücken;

Doch es heißt: Mamsellchen, hem!

Bin denn ich von schlechterm Blute?

Keiner sagt im ganzen Gute

Hüfner Hanken Böses nach!

Störche wittern Schimpf und Schande;

Und schon seit dem großen Brande

Baut ein Storch auf unserm Dach.

Freilich geh' ich nie geschnüret,

Noch gepudert und frisiret;

Dennoch lass' ich wohl mich sehn:

Wenn ich weißgekleidet tanze,

Flink und roth, und unterm Kranze

Mir die braunen Locken wehn.

Da sollt ihr ein Flüstern hören,

Durch die Stühl' und auf den Chören,

Wann den Kanzelsprung' wir thun:

Siegmund, Sohn vom Müller Franke,

Mit der Jungfer Anna Hanke!

Wer was will, der spreche nun!

Spielmann, dinge mehr Gesellen,

Daß uns hübsch die Ohren gellen,

Wenn ihr fiedelt, harft und pfeift!

Fangt nur früh an, euch zu üben:

Jeden Abend von Glock sieben,

Bis die Frau zu Bette keift!

Schickt euch brav auf Deutsch, Tirolisch,

Englisch, Menuet und Polisch,

Um den lieben Frauentanz!

Wenn um mich die Weiber ringen,

O dann laßt die Fiedel klingen!

Dann ade, du Jungfernkranz!