Evas Erschaffung
F. Kunzen
Da stand die schöne Welt; es streute
Der Himmel lächelnd seinen Glanz:
Und was des Lebens sich erfreute,
Erfreute sich der Liebe ganz.
Nur er, nach Gottes Bilde schön,
Sah sich als Fürst, doch einsam stehn.
Gott sah es auch, vom Thron hernieder,
Er winkt, und seht! ein Schlummer fällt
Sanft auf des Mannes Augenlider;
Ihm stirbt die wonnevolle Welt.
Doch wenn sie ihm aufs neue lacht,
So sieht er mehr, denn ihre Pracht,
Der jungen Morgenröthe Schwingen
Umwehn verjüngend Land und Meer;
Und Dankbarkeit und Freude singen
Den Gott der Liebe rund umher.
Dann hob der Mann den Blick, und sah
Die holde Männin sich so nah.
Er fand in ihr sein Bild und küßte
Den ersten unentweihten Kuß;
Und stiller Dank gen Himmel süßte
Den ersten liebevollen Gruß.
Da ward ihm Licht und Leben süß,
Und Eden ihm im Paradieß.