Unsterblichkeit

F. Kunzen

Er sprach's! und hervor aus der Tief' und der Nacht

Entsprangen die Ordnungen alle,

Vom Wurme des Sumpfs bis zum ersten Äon,

Vom Staube der Luft bis zur Sonne.

Unendlichkeit schied

Vom Raum sich und Zeit,

Und von der Verwesung des Leben.

O du, die sich in mir ein Leben begreift,

Und staunt, dass sie ist; und sich ahndet:

Du ahndest Unsterblichkeit, Seele! Dein Traum

Ist Lispel geheimern Erwachens.

Nicht wirst du, mein Geist,

Ein Hauch, der verweht,

Dess leb' ich und sterb' ich! verwehen.

Wenn Erde zertrümmert und Sonne zerrinnt,

Und Staub sich versammelt zu Staube,

Unsterbliche, schwingst du dich über das Grab:

Was Nacht war, wird Tag -- und Erwachen!

Was Nacht war wird Tag;

Dem Schlummer vermählt

Sich Nacht, das Erwachen dem Tage.

Sieh auf! Es entschwebet der Wagen des Lichts

Mit seinen geflügelten Rossen

Dem spähenden Blick ins Verborgne hinab,

Von Wogen der Meere verschlungen:

Am Morgen der Nacht

Steigt purpurner auf

Zur Veste die Fürstin des Tages.