Das Lied von Zinkler
F. Kunzen
Herr Zinklar schiffte wohl über das Meer,
Ließ lustig die Wimpelein wedeln.
In Guldbrand's Bergen, da fiel sein Heer,
Und büßte mit blutigen Schädeln.
Herr Zinklar beschiffte das blaue Meer,
Für schwedischen Sold zu kriegen,
Nun, helfe dir Gott! Denn wahrlich soll er
Dem starken Normann erliegen.
Der Mond in wallenden Wolken erblich;
Die Wogen ertönten so leise.
Vom Wasser erhub ein Meerweib sich,
Und sang ihm traurige Weise.
Kehr' um, kehr' um, du schottischer Mann!
Es gilt dein zeitliches Glücke.
Kömmst du gen Norrig, höre mich an!
Nein, nimmermehr kömmst du zurücke.
Du Hexe voll Gift, singst immerdar
Den Schiffern vom schlimmen Geschichte.
Ha, fang' ich dich einmal, so höre! fürwahr
Ich hau' dich in zappelnde Stücke.
Er schiffte zwei Tage, er schiffte wohl drei
Mit seinem gedungenen Heere.
Der vierte Morgen war nicht vorbei,
Die Küste stieg auf aus dem Meere.
Er steuert an Romsdals Ufer zu Land,
Ließ Feuer und Schwerd es verkünden.
An Vierzehnhundert bedeckten den Strand,
Entschlossen zu blutigen Sünden.
Sie sengten und brennten, wohin es nur ging;
Sie kannten nich Hölle noch Himmel;
Vergebens an ehernen Knieen hing
Der Wittwen und Greise Gewimmel.
Im säugenden Schoos lag's Kindlein todt.
Wer achtet sein Lächeln so milde?
Doch scholl von allen dem Jammer und Noth
Die Mähr durch nahe Gefilde.
Hoch lodern die Gipfel; die Zeitung rann
Umher von Weiler zu Weiler.
Schon rüsten die Bauern sich Mann vor Mann,
Und trotzen wie zürnende Keuler.
Die Soldaten sind aus im Heereszug;
Wir müssen und selber beschützen.
Der Memme Verderben und ewiger Fluch,
Die zaudert ihr Blut zu versprützen!
Rasch eilte von Våge und Lesson die Macht
Mit blinkenden Äxten zusammen.
Auf, Brüder! Dem Schotten werden gebracht
Die Hölle für sengende Flammen!
Hart unter Lide, da schlingt sich ein Sieg,
Der Kring benahmet von Allen.
Der Langfluß strudelt vorüber den Weg.
Da sollen die Feinde fallen.
Wo weilt an Wänden die donnernde Wehr?
Kein Schütze verfehlet dir heute.
Wohl schwimmet der triefende Nükke daher,
Und harret der blutigen Beute.
Herrn Zinklar zu Ehren der erste Schuß!
Er brüllte, und brüllte nicht lange.
Da schrieen die Schotten im Angst-Erguß:
Gott helf' uns aus diesem Drange!
Fort, Bauern! Fort, Normänner! Fort!
Sie schwimmen in eigenen Blute! --
Da wünscht sich der Schotte zum heimischen Ort;
Ihm war nicht wohlig zu Muthe.
Es drängten Leichen die schnellere Flut;
Viel lag, die Raben zu nähren.
Noch lange kostet der Jünglinge Blut
Den schottischen Mägdlein Zähren.
Auch kehrte nicht eine Seele zurück
Gen Schottland Zeitung zu bringen.
Ja, traun es ist euch ein mißliches Stück,
Die Männer im Norden zu zwingen.
Noch trotzt ein ehrendes Maal am Weg.
Mags jeglichem Feinde dort grauen!
Doch wohl dem Normann! Er wandelt den Steg,
Den Ruhm der Väter zu schauen.