Kühlt, o schmeichelnde Lüfte, kühlt

F. Kunzen

Kühlt, o schmeichelnde Lüfte, kühlt

Sanft die glühende Wange mir!

Ach die Glut des schönsten Traumes,

Kühlt sie, schmeichelnde Lüfte!

Schwebtest, himmlische Freundin, du

Über mir mit dem Wonnetraum?

Dank' ich dir das holde Bildniß

Meines trauten Selino?

O so liebst du, gewiß du liebst

Auch im himmlischen Rosenhain

Einen Jüngling, liebst den Seraf

Meines trauten Selino!

Aber feuriger liebst du [nicht

Ihn] im himmlischen Rosenhain,

Als ich meinen Auserwählten,

Meinen trauten Selino!

Sag', o Laube, wo einst er mir

Ach am klopfenden Herzen lag;

Sag', o Beet, das unsere Küsse,

Ach wie duftender feirte:

Hab' im Mond'- und im Abendglanz

Ich nicht Thränen genug geweint,

Seit wir uns im letzten Abschied

Hier mit Schluchzen umarmet?

Fragt, Gespielen, o fragt mich nicht,

Bey dem fröhlichen Reihentanz,

Nach der Bleiche meiner Wangen

Und der heimlichen Zähre!

Mein Selino war roth und weiß,

Liebte Lachen und Spiel und Tanz;

Bleich und stumm irrt nun Selino

Fern auf einsamen Pfaden!

Kehre wieder, mein Bräutigam,

Kehre wieder in meinen Arm!

Ach wie zittr' ich, dich zu küssen!

Kehre wieder, Selino!

Sagen soll dir [das laute Herz,

Dir der zitternde Flammenkuß]:

Dein bin ich, bin deine Selma!

Kehre wieder, Selino!