Einladung zum Conzert
F. Kunzen
Getrieben von der grausen Reimsucht,
Irrst du umher, und brummst voll Angst,
Gleichwie ein Bär, der Honigseim sucht,
Bis du den neuen Reim erlangst.
Bald suchst du Hülfe bei dem Aga
Der Jungfern am Parnassusborn,
Und bald hofierst du Deutschlands Braga
Mit rauhem Auerochsenhorn.
Des Horns Gebrüll brüllt jetzt vom Harzwald
In's Wuthgeheul des Weserstroms,
Der schwarz, von Varus Blute schwarz wallt;
In's Angstgeheul der Hügel Roms.
Jetzt fei'rt Apollons goldne Tuba,
Kronions donnerrothe Faust,
Sein Blitzgespann mit wehnder Juba,
Vor dessen Huf der Fels zergraust.
Oft, statt Apollons, treibt dich Amor,
Daß du, ein Herold Cypria's,
Des jungen Herrn und seiner Dam' Ohr
Sanft kitzelst durch sinnreichen Spaß.
Oft liedelst froh, mit Amorino,
Des Schmetterlings, des Steckenpferds,
Und singst zum Knabenviolino
Empfindsamkeit und gutes Herz.
Wann drauf zur Palmenhöhe Sions
Du stolz im Cherubwagen trabst,
Und tief zum Heidenthum Kronions
Hohnlachst in Demuth, gleich dem Papst;
Dann bitterst du dein Lied mit Wermuth,
Und ächzest, wie vom Thurm der Kauz,
Wie Türk, dein Haushofhund, voll Schwermuth
Aufheult zum Mond mit hoher Schnauz'.
Warum doch marterst du und grillst dich?
Der Ruhm, wonach du ringst, ist Luft,
Ist Seifenblase, steiget schwülstig,
Schwimmt fort, und schimmert; und -- zerpufft.
Was gehn dich Klopstock an und Lessing?
Sei du für Dichtertand zu stolz!
Der Musen Weisheit glänzt wie Messing;
Brotwissenschaft hat Werth des Golds!
Wenn voll Begeistrung du gewaltsam
Die Feder kaust, den Boden stampfst,
Die Augen drehst, und unaufhaltsam
Aus offnem Schlund die Gluth verdampfst;
Und jetzt nach langer, langer Arbeit
Ein Päan sich herausgewürgt,
Der Trotz der ganzen Dichterschaar beut,
Dem schamroth Pindar selbst sich birgt:
Was hast du denn, als Kopf- und Bauchweh,
Und Aschgesicht und schwindelnd Hirn!
Und ach! dein Herzchen thut dir auch weh,
Verschrumpft gleich einer welken Birn'!
Und glaubt man daß dein Witz von selbst reift,
Wo nicht dir Muth Herr Urjan klatscht,
Sich nicht dein Leumund grün und gelb streift,
Durch Mummel und Popanz karbatscht!
Mit schiefem Geifermaul umquackt dich
Das Froschgeschwätz der krit'schen Zunft,
Und jeder kahle Hundsfott plackt dich
Mit Schimpf und Lob voll Unvernunft.
Drum jage Vers und Reim zum Satan,
Und hör', o Reimbold, statt des Raths
Der falschen Muse, meinen Rath an;
So lebst du frohe, als Horaz.
17. Zeuch aus den Flausrock deiner Drangsal,
Und putze dich, und eile flugs
Dorthin, wo bald den hellen Klangsaal
Durchtönet Erz und Darm und Bux.
Dort geiget heut' der große Lolli.
Wem schwand nicht Unmuth schnell und Harm,
Der Ohren Lolli's Dur und Moll lieh?
Ganz himmlisch klingt sein Fiedeldarm!
Ich hört' ihn gestern, wie entsetzlich
Sein Instrument mit zwanzig stritt;
Potz Donner, welch ein Lärm! Doch plötzlich
Ging's Solo: dudeldidel pft!
Nur wähle dir zuvor ein Mägdlein,
Jung, leicht und rosig, wie der Lenz,
Und führe sie als Jungfernknechtlein
Zum Sitz mit manchem Reverenz.
Wie Moskau's Pope vor Sankt Niklas,
Steh dann, und gaff' auf ihren Pelz;
Bei seiner Wallung wird kein Blick laß!
Dich neigend, flüstr' auch: Wie gefällt's?
Hat Lolli sein Koncert vollbracht, und
Des Mädchens Herz erweicht wie Wachs;
Dann führe sie durch düstre Nacht, und
Allein zurück, doch nicht zu stracks.
Man sagt, ein Mädchen sei kein' Eider,
Sie hege, gleich dem Jüngling, Feu'r;
Nur schalkheitsvolle Heuchelei deck's:
Im Dunkeln sei ihr Kuß nicht theu'r.