Die Sängerin

M. von Kralik

Nun möcht' ich doch, dass Einer

säng' meine Lieder vor,

ein lieblich tönender Sänger,

oder sei's ein ganzes Chor.

Am allerliebsten wär' mir

so schöne Sängerin,

da wäre allen Sinnen

der herrlichste Gewinn.

Wenn du die Lieder singest,

ist erst mein Sang vollbracht.

Bevor du sie gesungen,

da ward er fast verlacht.

Wenn du mit holder Stimme

die Worte rein erfüllst,

da wird das Spröde milde,

wenn du den Sinn enthüllst.

Dann scheint es jedem Wahrheit,

was sonst er nie geglaubt,

und was man mir verboten,

das scheint nun fast erlaubt.

Wohlan, mit Laub und Blumen

umkränz' dein dunkles Haar

und mach', was sie nicht wussten,

den Menschen offenbar!

Wenn ich dich singen höre,

fast glaub' ich selber schon,

dass mir mein Lied gefalle,

doch war es nur dein Ton.